Psychosomatik: Wie hängen Darm und Psyche zusammen?

Darm und Psyche

Schmetterlinge im Bauch, ein mulmiges Gefühl in der Magengegend vor einer Prüfung oder stressige Situationen, die uns “auf den Magen schlagen” – unsere Sprache zeigt deutlich, wie stark Verdauung und Psyche miteinander verbunden sind. Doch woran liegt das? 

In unserer Vorstellung von Gesundheit und Krankheit differenzieren wir zwischen unserem Körper und unserer Psyche: Haben wir Schmerzen, gehen wir zum Arzt. Kommen wir mit unseren Emotionen nicht zurecht, suchen wir Rat bei einem/r Psychologen/in. Dabei vergessen wir jedoch häufig, dass unser Körper und unsere Psyche in einer engen Wechselbeziehung zueinander stehen. Und genau dahinter verbirgt sich die Psychosomatik.


Was genau ist Psychosomatik?

Für viele von uns ist Psychosomatik negativ behaftet, weil der Ausdruck damit gleichgesetzt wird, dass unsere körperlichen Beschwerden aus dem Kopf kommen, wir uns unsere Symptome nur einbilden oder wir selbst für unsere Probleme verantwortlich sind. Dabei ermöglicht uns der psychosomatische Ansatz eigentlich eine ganzheitliche Sichtweise auf unsere Beschwerden. Unser Körper, unsere Psyche und auch soziale Einflüsse werden berücksichtigt, um die Ursache für Symptome sowie eine Lösung zu finden – cool, oder? 

Die Psychosomatik beschreibt also die Wechselwirkung zwischen unserem Körper und psychischen sowie sozialen Einflüssen. Bei einer psychosomatischen Erkrankung können sich seelische Belastungen oder traumatische Erlebnisse in unserem Körper ablagern und physische Beschwerden auslösen. Umgekehrt können aber auch chronische körperliche Beschwerden unsere Psyche belasten.


Darm und Hirn kommunizieren ständig miteinander 

Die Verbindung zwischen unserem Darm und unserer Psyche ist sehr stark ausgeprägt. Verantwortlich dafür ist die Darm-Hirn-Achse. Einerseits ist unser Darm nervlich über den Vagusnerv mit unserem Hirn verbunden. Andererseits kommunizieren Darm und Hirn auch biochemisch via Hormone oder Botenstoffe miteinander. Dabei spielt unser Mikrobiom – also die Mikroorganismen im Darm – eine entscheidende Rolle. Kopf- und Bauchhirn entstehen im Mutterleib aus dem gleichen Gewebe und bleiben ein Leben lang miteinander verbunden. 

 

Was kann ich tun, um meine Verdauung bei psychosomatischen Beschwerden zu unterstützen?

Zuerst einmal ist es wichtig, dass du deine Beschwerden medizinisch abklären lässt. Unabhängig vom Ergebnis, ist eine ganzheitliche Sichtweise allerdings sinnvoll. Wenn organische Schäden gefunden werden, kannst du deine Psyche nutzen, um die körperliche Heilung zu unterstützen. Sind organische Ursachen ausgeschlossen, kannst du diese Information nutzen, um mehr Ruhe im Kopf zu schaffen.

Unter Stress fordert unser Gehirn mehr Energie ein. Unser Darm wiederum reagiert solidarisch darauf und stellt diese sogleich auch zur Verfügung, indem er mehr Energie für die Verdauung einspart. Wenn wir chronisch im Stress leben, wird dem Darm nie genügend Energie zuteil, um seinen Job richtig machen zu können. Deshalb ist es ratsam, Stress schnellstmöglich loszulassen und Emotionen nicht zu unterdrücken. Du bist wütend? Dann gib deiner Wut ein Ventil und lasse sie raus. Du bist traurig? Dann weine, wenn dir danach ist. Du bist überglücklich? Tanz es raus!

 


Wie kann ich meinen Emotionen mehr Raum geben?


1. SCHREIBEN

Lerne deine Emotionen wahrzunehmen und suche dir einen Kanal zum “ableiten”. Eine Methode, um deinen Emotionen mehr Raum zu geben, ist das Schreiben. Führe ein Journal oder ein Tagebuch und schreibe dir deine Gefühle von der Seele. Häufig ist es in unserem Kopf neblig, unsere Gefühle wirr und nicht greifbar. Wenn du sie aufschreibst, kannst du Klarheit schaffen und deine Emotionen besser einordnen. 


2. STILLE & ACHTSAMKEIT

Stille gibt uns die Möglichkeit, innezuhalten und zu reflektieren, unsere Stressfaktoren besser wahrzunehmen und kennenzulernen. In der Stille können wir Distanz zu dem Geplapper unserer Gedanken aufbauen. Stille und Entspannung wirken sich ebenso wohltuend auf unseren Darm aus. Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder auch progressive Muskelentspannung helfen dir dabei, in deinen Körper hinein zu spüren und aus dem Kopf heraus zu kommen. 


3. REFLEXION 

Notiere dir, auf welche Situationen im Alltag du mit Verdauungsbeschwerden reagierst. Das hilft dir dabei, Muster zu erkennen. Wieso stressen dich diese Situationen? Gibt es Möglichkeiten, den Stress in diesen Situationen zu reduzieren? So kannst du dein Leben positiv verändern. 


4. ABGRENZUNG

Lerne, das es okay ist, auch mal “Nein” zu sagen. Hör auf, dich für andere aufzuopfern und beginne, dich selbst zu priorisieren. Mache dir klar, dass ein Nein zu einer Sache immer auch ein Ja zu einer anderen ist.


5. UMFELD

Distanziere dich von Menschen, die dich stressen, dich unter Druck setzen und dir nicht gut tun. Umgib dich mit Menschen, die ein angenehmes Gefühl und innere Entspannung oder Freude in dir hervorrufen und dich dabei unterstützen, die beste Version deiner selbst zu sein; Menschen, die dich so annehmen und lieben, wie du bist.


6. AUSTAUSCH 

Versuche jedes Mal, wenn du gefragt wirst, wie es dir geht, kurz in dich hinein zu horchen. Der mündliche Austausch über deine Gefühlslage mit Menschen, denen du vertraust, kann viel Klarheit bringen und Verbundenheit schaffen.


7. SCHLAF 

Gesunde Schlafgewohnheiten ist für all unsere Organe wichtig. Im Schlaf laufen Regenerations- und Verarbeitungsprozesse ab. Der Darm bekommt eine Pause und nicht nur unsere Nahrung, sondern auch das am Tag Erlebte darf “verdaut“ werden. Ein regelmäßiger, erholsamer und ausreichend langer Schlaf unterstützt sowohl deine Psyche und als auch deine Verdauung.


8. HILFE ANNEHMEN

Wenn du merkst, dass es dir immer schlechter geht, du dich zurückziehst und du aufgrund der psychischen Belastung oder auch deinen körperlichen Beschwerden beginnst, bestimmte Situationen zu vermeiden, zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manche Baustellen sind einfach zu groß, um sie allein in Angriff zu nehmen und das ist völlig in Ordnung. Du bist nicht allein!

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